Sechs Gründe, warum sich eine eigene ERP-Abteilung nur selten lohnt

Sie sind sicherlich absoluter Experte in Bezug auf Ihre Produkte und Dienstleistungen, da Sie in diesem Bereich Wissen und Erfahrungen besitzen. Anders verhält es sich bei Ihren IT-Prozessen. Hier sind die meisten Unternehmen mit wenig Erfahrung und Übung unterwegs. Das ist vergleichbar mit dem Autofahren. Sie können während des Autofahrens essen, trinken, telefonieren, eventuell sogar texten. Das alles meist ohne Probleme und zusätzlichen Aufwand. Was würde nun passieren, wenn Sie sich im Ausland mit Linksverkehr befinden würden? Genau, Sie müssten sich so auf das Fahren konzentrieren, dass Ihnen sicherlich andere Nebentätigkeiten nicht mehr möglich wären. Warum das so ist, liegt an der Übung und Routine in gewissen Dingen.

Zu Hause oder im Verkehr ist Ihr Gehirn auf Automatik geschaltet. Es geht leicht von der Hand. In der ungewohnten Umgebung mit Linksverkehr benötigen Sie allein für das Fahren Ihre gesamte Konzentration. Und genauso verhält es sich mit Ihrer IT und Ihrem ERP-System. Sie müssen all Ihre Kraft darauf verwenden, um dieses Thema einigermaßen hinzubekommen. In den 2000er Jahren war das meist noch kein Problem, da der IT-Umfang noch überschaubar war. Unprofessionalität an dieser Stelle wird aber aufgrund der steigenden IT-Anwendungen von Jahr zu Jahr immer größere Auswirkungen haben. Aus den folgenden sechs Gründen werden Sie in diesem Bereich nie erfolgreich werden bzw. wenig zum Wertschöpfungsprozess beitragen können:

1. Sie befinden sich im Mittelstand

Mittelständische Unternehmen stehen einem Konzern der 90er Jahre in Bezug auf ihre Prozesse und die Automatisierung in nichts mehr nach. Es geht zwar nicht so in die Tiefe, aber sie müssen die gleichen Anforderungen des Marktes abdecken wie ein Global Player. Nur mit dem Unterschied, dass sie ihre IT-Kosten nur bedingt auf die Anzahl an Produkten bzw. Dienstleistungen umlegen können. Volkswagen hatte 2009 einen Umsatz von 105 Milliarden Euro, etwa 1,2 % des Umsatzes wurden intern als IT-Budget zur Verfügung gestellt und 0,5 % der Mitarbeiter waren in der IT beschäftigt. Bezogen auf mittelständische Unternehmen werden Sie schnell feststellen, dass Sie hier prozentual deutlich mehr Personal (1-2 %) und deutlich mehr Ausgaben haben (2-10 %).

2. Fluktuation

Wenn Sie Ihre IT-Abteilung nicht wertschätzen, so wird es der Mitarbeiter und das Unternehmen auch nicht wertschätzen. In kleinen und mittelständischen Unternehmen ist die Wertschätzung für die IT nur selten gegeben. Entsprechend hoch ist auch die Belastung, die auf die IT-Mitarbeiter einwirkt. Die Mitarbeiterfluktuation nimmt leider erst mit zunehmender Größe des Unternehmens ab. Hinzu kommt, dass Investitionen in Form von Fortbildungen und Weiterbildungen beim Wechsel eines Mitarbeiters mit über Bord gehen. Sie finden in einem derart angespannten IT-Stellenmarkt aktuell keine Mitarbeiter, die den speziellen Ausbildungsanforderungen Ihrer Stelle genügen.

3. Teure Schulungen

Die IT-Welt dreht sich zunehmend schneller, das bedeutet im Klartext, dass die Veränderungen auch Ihren Mitarbeitern mitgeteilt werden müssen. Das erfolgt am effizientesten in einer Schulung. Da Ihre Mitarbeiter als Allrounder ausgebildet sind und somit viele Kompetenzbereiche abbilden müssen, müssen sie auch in den jeweiligen Bereichen weitergebildet werden. Das verursacht Kosten, die Sie nur bedingt umlegen können.

4. Wissensvermittlung langsamer als der Fortschritt

Neue Technologien, neue Anwendungsfelder, neue Systeme. Nicht nur, dass sich in der IT-Welt alles immer schneller dreht. Es entstehen zusätzlich auch noch neue Anwendungsfelder, in denen zukünftig Techniken mit Verwendung des Internets abgebildet werden können, die zum heutigen Stand noch nicht nachvollziehbar sind. Als Beispiel können wir hier die Energiewirtschaft anführen. Hier sollen beispielsweise vernetzte Geräte (Waschmaschine, Kühlschrank, Trockner und sonstige Haushaltsgeräte) intelligent über das Internet angesteuert werden. Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass das so schnell möglich ist? Mit dem zunehmenden Ausbau der Mobilvernetzung werden zukünftig auch Fahrzeuge im Straßenverkehr miteinander kommunizieren. Auch die nächste Generation der IT in Verbindung mit künstlicher Intelligenz wird die ERP-Welt nochmals deutlich verändern. Heute ist noch nicht abschätzbar, welche Veränderungen hier im Bereich von ERP-Systemen und allgemein in der IT-Welt eintreten werden. Was sicher ist, ist der Umstand, dass man in mittelständischen Betrieben das Wissen gar nicht so schnell vermitteln kann, wie es erforderlich wäre, um auf dem aktuellsten Stand zu sein.

5. Keine Experten, sondern Allrounder

Wie bereits erwähnt, decken in kleinen und mittelständischen Unternehmen die Mitarbeiter in der IT ein ganzes Kompetenzuniversum ab. Entsprechend oberflächlich können dann auch nur die Expertisen der Mitarbeiter ausgebildet werden. Aber macht das auch Sinn? Die Vorteile von Experten überwiegen hier deutlich. Besonders in der ERP-Welt macht sich dies bemerkbar. Ein Senior-Entwickler beispielsweise mit mehr als 6 Jahren Berufserfahrung kann im Verhältnis 30-mal schneller agieren und Projekte umsetzen als ein Junior, der gerade erst von der Uni kommt. Des Weiteren wird Ihr eingesetzter Allrounder nie die Erfahrung einbringen können, die ein Experte mitbringen kann.

Aber ist es überhaupt möglich, einen Experten, der sich in allen benötigten Bereichen auskennt bzw. Erfahrungen aufweisen kann, auf dem Arbeitsmarkt zu rekrutieren oder diesen im Unternehmen auszubilden? Vermutlich nein.

6. Keine übergreifende Kompetenz

Aufgrund der vielfältigen Aufgaben ist es Ihren IT-Mitarbeitern zwangsläufig nicht möglich, zusätzlich noch über den Tellerrand zu schauen, zumindest in Bezug auf Benchmarks anderer Unternehmen. In einer Vielzahl von Fällen wird kein Networking betrieben und kein Kommunikationsaustausch mit anderen Unternehmen durchgeführt, die die gleichen Anwendungsfälle haben oder die anstehende Herausforderungen schon gemeistert haben. Dies bedeutet, dass keine Entscheidungen reflektiert bzw. quergeprüft werden. Dadurch ist die Gefahr groß, dass man es sich hier in einer gewissen Komfortzone bequem macht und an bestehenden Mustern festhält. Das ist in der schnelllebigen IT-Welt besonders problematisch. Zudem können Ihre Mitarbeiter nicht aus unterschiedlichen Projekten Erfahrungen sammeln, wie dies ein Experte bereits übergreifend aus anderen Projekten tun konnte.

Buchtipp

Wenn Sie wissen möchten, wie Sie als Entscheider das Thema ERP zum Erfolg führen, bestellen Sie sich das Buch "Der ERP-Irrglaube im Mittelstand".

Tobias Hertfelder und Philipp Futterknecht erläutern, warum das Thema ERP in fünf Minuten erklärt ist und Sie trotzdem jahrelang darauf herumkauen. Sie als Unternehmer und Führungskraft wissen doch eigentlich, wie Ihr Geschäft funktioniert.