Optimieren Sie sich nicht bis zur Handlungsunfähigkeit

Mit einer unendlich erscheinenden Anzahl von neuen Projekten ersticken Unternehmen häufig das letzte bisschen Handlungsfähigkeit ihrer Belegschaft. Auf der einen Seite kann ein mutiges Hinterfragen von Bestehendem ein Unternehmen bis zu 30 % produktiver machen. Auf der anderen Seite leidet jedoch oftmals die Handlungsfähigkeit enorm darunter. Es werden Dinge begonnen, die einfach nicht ihr Ende finden. Es wird auch heute noch an Hochschulen gelehrt, dass Wachstum gut sei, und zwar in jeder Dimension: Je größer, je schneller, je innovativer, je anpassungsfähiger eine Unternehmung, desto besser gehe es ihr. Dies ist in der Theorie auch richtig. Die Realität zeigt jedoch, dass Stress und Aktivismus in Unternehmen häufig einen Großteil der Gewinne fressen. Unser Wachstumsglaube, unsere unreflektierten Führungsgrundsätze kosten Unternehmen jedes Jahr Milliarden. Unternehmen optimieren, planen und kontrollieren sich zu Tode. Die Erwartung, immer mehr und immer schneller Erfolg haben zu müssen, vernichtet großflächig Produktivität.

Mit den folgenden drei Ansätzen können Sie Ihre Handlungsfähigkeit enorm steigern:

Bessere Ergebnisse durch mutiges Hinterfragen

Unsere Beobachtungen in Unternehmen zeigen, dass es fast unmöglich ist, das ganze Potenzial auszuschöpfen – nicht einmal durch die besten Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen. Was also hält uns trotzdem davon ab, es zumindest teilweise zu nutzen? Ein Hauptgrund ist, dass wir denken, wir müssten die Dinge kontrollieren. Das Problem dabei ist, dass Unternehmen soziale Systeme sind, die nicht auf Knopfdruck funktionieren. Und entsprechend lassen sie sich auch nur schwer kontrollieren. Kein Markt wartet auf unsere Strategien, kein Vertriebsgebiet auf unsere geplanten Absatzzahlen. Wenn wir uns noch so sehr anstrengen: Erfolg basiert nicht auf Plänen, sondern auf der Erfahrung unserer Menschen – und was wir daraus machen. Am unwirksamsten sind Ergebnisse aus Vorgaben, die top-down ohne Einbeziehen der Beteiligten beschlossen werden. Denn eins ist klar: Sie werden zwar nicht immer die besten Vorschläge von Ihren Mitarbeitern erhalten, dennoch können Sie noch viel Gutes von ihnen lernen. Wer das Potenzial seiner Mitarbeitenden nutzen möchte, lässt es wachsen. Er lässt zu, dass etwas Neues, Ungewohntes entsteht. Dazu ist es jedoch notwendig, die neuen Dinge immer mutig zu hinterfragen. Durch das Zusammenführen von Ihrer Expertise, dem Wissen der Mitarbeiter und der kritischen Hinterfragung entstehen Ideen, die von allen Beteiligten eine hohe Akzeptanz erhalten und somit erfolgversprechend sind. Gerne dürfen verabschiedete Beschlüsse bei großen Zweifeln nochmals hinterfragt und korrigiert werden.

Behalten Sie den Überblick auch ohne Detailkenntnisse

Was macht es so schwierig, Fortschritt zu erreichen und sich zu verbessern? Klassische Transformationsprozesse wollen Fehler ausmerzen: Die Struktur ist schlecht, also organisieren wir uns neu. Dass die Mitarbeiter bereits die alten Strukturen nicht mit Leben gefüllt haben und dies auch mit der neuen Struktur nicht tun werden, interessiert meist nicht. So führen viele Optimierungsprojekte nicht zu den gewünschten Resultaten, sondern zur Kündigung guter Mitarbeiter. Wirkliche Entwicklung erfolgt, wenn wir uns auf die vorhandenen Ressourcen konzentrieren und nicht auf die Schwächen. Das ist harte Arbeit, vor allem an sich selbst. Denn wer dies tut, wird sich der eigenen Grenzen bewusst und bemerkt, dass er eigentlich – trotz aller möglichen Titel und der Position im Unternehmen – nichts weiß, ja eigentlich gar nichts wissen muss. Das jedoch wollen Entscheider nicht. Nichtwissen ist die absolute Horrorvorstellung. Jeder kennt die Situation, in der wir als Entscheider in einen Termin hineingehen und eigentlich schon genau wissen, mit welchem Ergebnis wir den Termin verlassen werden. Nämlich mit unserer Idee, die wir versuchen durchzuboxen, häufig sogar, ohne dass wir Detailwissen zu diesem Thema haben. Bei diesem Vorgehen erhalten wir oftmals nicht die optimale Lösung. Wozu haben wir dann eigentlich die anderen Teilnehmer des Meetings eingeladen? Wir müssen lernen, dass wir die Dinge nicht im Detail wissen müssen, um Erfolg zu haben. Im Gegenzug müssen wir aber das Wissen unserer Mitarbeiter nutzen, um eine sinnvolle Entscheidung treffen zu können. Wenn wir uns von unseren Erfahrungen lösen, können wir die Dinge anders sehen; wir hören auf einmal anderen zu. Wir beginnen unseren Fokus neu zu schärfen. Dadurch gewinnen wir Vertrauen in uns und unsere Mitarbeitenden, werden ruhiger, haben weniger Stress und sind aufnahmefähiger. Wir werden fokussierter und erhalten einen anderen Zugang zu den vorhandenen Ressourcen. Unsere eigene Produktivität steigt und damit die des gesamten Unternehmens. Jede Führungskraft, jeder Mitarbeiter ist Teil eines Gesamtsystems. Wenn sich jemand bewegt, bewegt sich alles mit – es ist also sinnvoll, für eine gleichgerichtete Bewegung zu sorgen. Das gelingt, paradoxerweise, dann am besten, wenn wir gar nichts tun. Wir müssen weder unsere Strukturen verändern noch in Aktivismus verfallen. Wir müssen einfach bewusst Druck aus unserem Unternehmen rausnehmen. Am besten geht das durch den Dialog, Ehrlichkeit und die Ankündigung vor den Mitarbeitenden.

Führung braucht Reibung und Mut zum Streit

Die Zeiten, in denen Führungskräfte andauernd Lösungen zu Problemen erarbeiten mussten, sind vorbei. Viel eher gefragt sind Macher und Mutmacher. Sie leiten ihre Mitarbeiter an, eigene Lösungen zu entwickeln. Im Zeitalter der Digitalisierung ist der Mensch noch wichtiger geworden. Es geht darum, die vorhandenen Talente und Fähigkeiten optimal zu nutzen. Das funktioniert ausschließlich, wenn man Widersprüche sichtbar macht und nicht nur versteht. Wenn man sozusagen das gemeinsame Entwicklungspotenzial nutzt. Dazu muss man andere Positionen akzeptieren und seine eigenen Ideen daran stärken. Diese Art der Führung braucht eine ordentliche Portion Mut zum guten Streit und zum offenen Austausch. Ziel muss das „Finden eines Konsenses“ im Unternehmen sein. Wenn wir unsere Erwartungen dahingehend verändern, werden wir mutig und auch in Wachstumsphasen Erfolg haben.

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